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Eine Neue Eurasische Elite

Diesen Beitrag habe ich im Nov. 2017 geschrieben und er ist gedacht als ein Beitrag zu einem geplanten Buch über die Neue Seidenstrasse. Die Autoren Jochen Scholz und Hermann Ploppa arbeiten an diesem Projekt und Jochen Scholz, den ich von der GIF (Gesellschaft für Internationale Friedenspolitik) her kenne, schickte ich diesen Beitrag, mit der Bitte um Aufnahme in dem geplanten Buch, welches im Frühjahr (18) herauskommen soll.

Eine Neue Eurasische Elite
Brauchen wir überhaupt Eliten?
Ich meine, ja, – ganz sicher, – keine Gesellschaft kommt ohne Eliten aus.
NUR! – die Frage ist, – was für Eliten brauchen wir? Und welche Rolle sollen, müssen oder dürfen sie spielen?
Unsere derzeit herrschenden amerikanisch- transatlantischen Eliten sind korrupt und moralisch abgewirtschaftet, da gibt es kaum Zweifel. Und sie sind allgegenwärtig, – in Politik, Medien, Wirtschaft, Kultur, Militär. Dafür sorgen sie schon in ihrem Eigeninteresse.
Daher plädiere ich für den Aufbau von neuen, alternativen, EURASISCHEN Elitestrukturen und Eliten.
Diese zunächst zu skizzieren, zu formulieren, – wie sie beschaffen sein sollen und sodann daran zu arbeiten, dass eine Umsetzung in Gang kommt, oder, wo schon vorhanden, dass diese unterstützt und ausgebaut wird, das ist mein Anliegen.
Als Grundforderung betrachte ich die Prämisse, dass die Eliten dem Gemeinwohl verpflichtet sind!
Das Gemeinwohl zu definieren und zu benennen ist allerdings eine schwierige Aufgabe. Mit diesem Thema werde ich mich später ausführlicher beschäftigen.
Wir wollen intelligente, fantasievolle, mutige, menschliche, verlässliche, charakterstarke, bodenständig und volksnahe Eliten.
Eine besondere Bedeutung kommt der Korruptionsresistenz zu – die wohl unter dem Oberbegriff der Charakterstärke zu verorten ist. Und so stellt sich damit auch die Frage, – wie kann eine Elite formuliert und aufgebaut werden, – die weniger korruptionsanfällig ist, – beziehungsweise, was für Mechanismen oder Kontrollinstanzen können eingebaut werden, um dieser menschlichen Schwäche vorzubeugen, – oder entgegen zu wirken?
Der Psychologie Professor von der Kieler Uni. Dr. Rainer Mausfeld zitiert in einem (auf U-tube nachzuhörendem) Vortrag – „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“ – den altgriechischen Historiker Thukydides mit den Worten – „ Die Starken tun, was sie können, während die Schwachen erleiden, was sie müssen“
Während Rainer Mausfeld mit sozialistischem Unterton gegen die Eliten wettert, die das Volk und die Umwelt ausbeuten – ( auf unsere amerikanisch – transatlantischen und oligarchischen Eliten trifft das ja meiner Meinung nach weitgehend zu), – muss das nicht zwangsläufig auf jede Elite zutreffen.
In dem Spruch von Thukidides steckt ja zunächst keine moralische Wertung. Die hat R.Mausfeld erst – in Bezug auf eine bestimmte Elite hineingelegt.
Man könnte den Spruch zum Beispiel auch andersherum interpretieren, – die Starken sind stark, weil sie tun, was sie können – und die Schwachen sind schwach, weil sie nicht tun, was sie können, sondern nur, was sie müssen. – Vielleicht sind sie zu feige oder zu faul oder zu bequem, zu tun, was sie könnten.
Es gibt ja längst Ansätze eurasischer Eliten. Das Eurasische Projekt ist schon auf dem Weg.
Männer wie Gerhard Schröder, Willi Wimmer, Rainer Rotfuß, Wolfgang Effenberger, Jochen Scholz, Hermann Ploppa, Ken Jepsen und viele mehr, – ja selbst Putin und Xi zähle ich schon durchaus zu einer eurasischen Elite, – wenigstens zu Vorläufern dieser. Putin stellt für mich das perfekte Bindeglied zwischen Europa und Asien dar, er denkt und handelt in vielen Dingen europäisch. Xi, mit seinem gigantischen und weit vorausschauenden Projekt Neue Seidenstraße, zeigt und denkt damit in Richtung Europa – Eurasisch.
Der einflussreiche geopolitische Vordenker Zbigniev Brzschinski, aber auch andere amerikanische Geostrategen , wie Henri Kissinger haben gesagt – „was der amerikanischen Hegemonialmacht gefährlich werden könnte, wäre eine Zusammenarbeit von Deutschland und Russland (oder Europa und Asien). – „Dieses mit allen Mitteln zu verhindern war seit über 100 Jahren unser oberstes geostrategisches Ziel – und bleibt es auch weiterhin“.
Aber genau und gerade deshalb wünsche ich mir die eurasische Kooperation.
Nicht, – um damit die Welt zu beherrschen, sondern – um zu überwinden, dass wir beherrscht werden. Wir brauchen die Macht, um unsere Identität entwickeln und leben zu können. Wir wollen nicht Globalisierung, – die Weltregierung (von Amerika ausgehend) – wir wollen eine multipolare Weltordnung, in der der Stake und auch der Schwache tun kann – und auch tut, was er kann – und nicht, was er muss.
Und, – eine Sorge treibt mich, – nämlich die, dass wir entweder nicht von der transatlantischen Bindung loskommen und mit Amerika bis zum bitteren Ende, – zum totalen Untergang marschieren, – oder aber, – dass wir von transatlantischen Vasallen – zu russischen oder chinesischen Vasallen werden. Die Gefahr besteht, wenn wir nicht rechtzeitig und entschieden genug den politischen Paradigmenwechsel betreiben. Dazu, glaube ich, ist ein rascher Aufbau von neuen, alternativen Elitestrukturen notwendig.
Vasallentum steckt in den Köpfen. Wer eine wirklich freiheitliche Haltung hat, wird kein Vasall. Lieber stirbt er. „lever dod, as Slav“ – lieber tot, als Sklave.
Dass das imperialistische Amerika überall auf der Welt Vasallen in die Regierungen hievt, – und sei es mit sehr korrupten Regimechange-Methoden, ist hinlänglich bekannt.
So, – und was ist zu tun?
Ich habe Ideen und Vorschläge, wie die Neuen Eliten aufgebaut werden könnten. Es sind Vorschläge, die diskutiert werden können. Vielleicht geht’s auch anders.
Vor einem Jahr, im Nov. 2016 habe ich einen Aufsatz geschrieben, „Eine Neue Eurasische Elite“ – darin schlage ich die Bildung von gezielt geplanten und koordinierten eurasischen Eliteschulen vor, in denen talentierte junge Menschen im Alter von etwa 10 bis 15 Jahren auf Eliteschulen herangebildet werden, um später in Bereichen, wie Politik, Medien, Kultur, Wirtschaft und Militär Führungsaufgaben zu übernehmen.
Dieses Projekt benötigt jedoch die Zustimmung und Unterstützung von bestehenden Machtstrukturen – oder zumindest Kapital. Diese zu erhalten, mag schwierig sein, ich halte es aber nicht für ausgeschlossen. Diejenigen, die schon jetzt ein Interesse an einem eurasischen Projekt haben, könnten dafür zu gewinnen sein.
Der zweite Weg, der vielleicht zunächst schneller und leichter zu beschreiten wäre besteht in einem Aufbau von eurasischen Strukturen, – ähnlich, wie Amerika das nach dem Krieg mit dem Aufbau von transatlantischen Verbindungen gemacht hat. Durch die Schaffung von Institutionen, „Think Tanks“ – Clubs, Vereinen, Gesellschaften, Stiftungen und dergleichen können Kontakte, Vernetzungen und Bildung erreicht werden. Auch Kongresse, wie dieser (St. Petersburg 01. Bis 08. Nov. 17) funktionieren in dieser Richtung.
Es werden also Institute oder Gesellschaften gegründet, sie werden mit Kapital und einigen „Größen“ als „Zugpferde“ ausgestattet und dann werden talentierte, erfolgversprechende junge Menschen (manchmal auch ältere) eingeladen, um dort bei Vorträgen, Vernetzungsangeboten, interessanten Debatten und anderen Annehmlichkeiten – „vereinnahmt“ zu werden. So ungefähr geht das.
Es muss dabei überhaupt nicht so korrupt zugehen, wie bei den Briten und Amerikanern in den transatlantischen Einrichtungen. Wie es da zum Teil zugeht, kann man bei Friederike Beck nachlesen („Das Guttenberg Dossier“) – oder bei Udo Ulfkotte „Gekaufte Journalisten“. – Beide Autoren sind dieses Jahr bedauerlicherweise verstorben. Es gibt natürlich zahlreiche andere „Verschwörungstheoretiker“ – die Ähnliches Berichten.
Ich bin der festen Überzeugung, dass der Preis für Korruption immer letztendlich irgendwann bezahlt werden muss. Meistens dann, wenn der Betroffene schon nicht mehr die Kraft hat, das Blatt zu wenden.
Sinnvoll wäre unter Umständen auch eine Kombination aus Stufe 1 – (der zweite Weg) – und dann Stufe 2 – die Eliteschulen, wenn erst einmal gewisse Grundstrukturen aufgebaut worden sind, die diese dann tragen und unterstützen.
Schlussbetrachtung:
Für eine EURASISCHE KOOPERATION plädiere ich nicht nur, weil Amerika im Niedergang ist, moralisch und wirtschaftlich korrupt,
-und auch nicht nur, weil die EURASISCHE KOOPERATION viel mehr an wirtschaftlichen Perspektiven bietet – Stichwort „Neue Seidenstraße“ – und auch eventuell eine bessere moralische Grundlage,
sondern, – ganz unabhängig und einfach, weil uns Russland dichter ist, geografisch, kulturell und geschichtlich.
Und – weil wir gemeinsam die multipolare Weltordnung der globalen vorziehen.
Es muss auch nicht unbedingt der Glaube an die Macht des Geldes, an Kapitalismus und an Konsum die beherrschende Maxime einer jeden Gesellschaft sein oder bleiben.
Vielleicht ergibt ein gesellschaftlicher Wandel einmal einen Ausblick auf andere Werte.
Die Chance oder Wahrscheinlichkeit dazu besteht umso mehr bei einer „freien“ – und umso weniger bei einer „Vasallen -Gesellschaft“.
Und ich glaube, die Zeit drängt insofern, als dass, – je länger wir zögern und warten, um so weiter fortschreiten wird der Prozess der „Bildung eurasischer Eliten“ – ohne uns – mit Russen, Chinesen, Iranern und anderen. Unser Gestaltungsspielraum ist umso größer, je früher wir damit beginnen und einsteigen – und wird mit zunehmender Zeit geringer, so dass wir nicht mehr viel mehr, als „Vasallen“ sein werden, wenn wir erst einsteigen, wenn es offensichtlich kaum noch andere Möglichkeiten gibt – und die Strukturen weitgehend etabliert sind.

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