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Der Tod

Heute mal kein politisches Thema, sonder ein eher philosophisches.

Alfred Kath Hamdorf18.10 19
Der Tod
Meine Mutter hatte oft einen guten Spruch auf Lager, den sie bei passender Gelegenheit zur Anwendung bringen konnte. So erinnere ich mich an Ihre Aussage – „ das Leben ist lebensgefährlich – und am Ende sind wir alle tot“. Den genauen Anlass für diesen Spruch weiß ich nicht mehr, aber ich habe noch Mutties schalkhaft ironisches Lächeln dabei vor Augen, – so, als wollte sie damit sagen, – „na komm schon, – mehr als der Tod kann dir dabei nicht begegnen“. Dabei kommt mir dann gleich die Erinnerung an die Erzählung der spartanischen Mutter, die ihrem Sohn, -welcher sich bei ihr darüber beklagte, sein Schwert sei zu kurz, – sagte – „dann geh‘ halt n Schritt näher ran (an den Feind)
Ja der Tod, – das ist so ein Thema, welches in unserer Zeit gerne gemieden wird. Man mag am liebsten nichts mit ihm zu tun haben. So gibt es heute viele (wenn nicht gar die meisten) Erwachsene Menschen, die in ihrem ganzen Leben noch nie einen toten Menschen gesehen haben. – Kann es sein, dass in unserer Zeit, die die Menschen so sehr auf Konsum, Spaß und Genießen polt, – der Tod nur noch als lästiger, unwillkommener Geselle empfunden werden kann, der alles dieses zerstört? Gibt es über den Tod hinaus keine nennbaren Werte mehr für uns? – Ich kann mich erinnern, dass eine Freundin einmal zu mir (fast entrüstet) sagte – „Helden? – die brauchen wir heute überhaupt nicht mehr“! – Helden? – das klingt wie Nazi, -oder? – Ist es das aber wirklich?
Gehört der Tod eigentlich zum Leben? – ja, was heißt „das Leben“ eigentlich genau?
Mir fällt auf, dass es in unserer Sprache kein Wort gibt, welches Leben und Tod zusammenschließt in einen Begriff. – Vielleicht kommt der Begriff „ die Natur“ dem am Nächsten?
Ähnlich steht’s in unserer Sprache um das Wort Tag. Als „Tag“ gilt die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, als Nacht, der Rest (des 24 Std Zyklus)- grob gesagt. Gleichzeitig nennt man aber auch den 24 Stunden Zyklus – einen Tag, – obwohl er einen Tag UND eine Nacht enthält. Es heißt, – „vor acht Tagen“ – und nicht „vor acht Tagen und Nächten“. Beziehungsweise, – es gibt kein Wort, welches Tag und Nacht in einem zusammenfasst. Dabei gibt es ansonsten so viele Wörter, die diese Zeit beschreiben und einteilen, – wie Morgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag, Abend usw.
Können wir mit dem Tod heute nichts mehr anfangen, weil unser Blick so kurzsichtig geworden ist, dass wir jenseits von heute – und unserem (jetzigen) Leben, keinen Sinn und Zweck mehr erkennen können?
Dabei können (oder könnten) wir täglich so plastisch und anschaulich in der Natur beobachten, wie Leben und Tod zusammenwirken, – zusammengehören. Der Eine frisst den Anderen und es geht immer weiter. Der Tod des Einen ist oft Bedingung für das Leben des Anderen. Zugegeben – Tiere und Pflanzen machen sich keine Gedanken um den Tod. Sie machen sich überhaupt keine Gedanken – vielleicht, weil sie kein „Ich- Bewusstsein“ haben. Bienen zum Beispiel widmen sich voll und ganz der Aufgabe (oder nennen wir es Instinkt) – dem Überleben ihres Volkes zu dienen. Dabei, wenn man sie genau beobachtet, kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, – dass das Ganze für sie reine Lust ist.

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